Der Untergang der Printmedien …

… und andere Gerüchte.

Seit man in der Han Dynastie vor etwa 2000 Jahren auf die Idee gekommen war, Baumrinde mit Wasser zu vermengen und anschließend zu pressen, ist Papier allgegenwärtig. Erst in den letzten 25 Jahren, seit der weltweiten Vermarktung von Microsoft Word, haben wir angefangen zu tippen, anstatt zu schreiben. Der kleine Knubbel Hornhaut an meinem Mittelfinger, der durch ständiges Drücken des Stiftes entstanden war, ist längst verschwunden. Anstatt einen Schreibkrampf zu bekommen, haben wir heute einen Mauskrampf. Durch Emailverkehr und das Internet ist der Werkstoff Papier stets von einer Welt online begleitet: Einer Welt, in der wir den Inhalt unserer Magazine effizienter gestalten können, als je zuvor.

Unsere Kinder werden groß in einer Welt, die komplexer ist denn je. Für sie ist es heute keineswegs ungewöhnlich, verschiedene Fernsehprogramme über mehrere Geräte zu verfolgen, oder sich mit Freunden zu unterhalten, während gleichzeitig Musik aus ihren Kopfhörern klingt. Tablets und Smartphones versorgen uns mit digitalen Medien, wo auch immer wir uns befinden.

Sich jedoch über den Untergang der Printmedien zu unterhalten, erscheint mir vorschnell. Oft wird versucht, hier eine Parallele zur Musikindustrie zu ziehen. Die Musikindustrie kann jedoch mit ihrem rapide gesunkenen Verkauf von Alben und CDs nicht als Vergleich herangezogen werden. Alben und CDs verfolgen den gleichen Zweck wie eine Audiodatei: Sie übermitteln Klanginformationen an unsere Abspielgeräte. Dabei verbessern Audiodateien diese Übermittlung heute, sie sind schneller, oftmals günstiger und mobiler. Die Musik jedoch, die wir hören, bleibt die gleiche.

Bestimmte Printmedien spüren die zunehmende digitale Ablösung deutlich. Zeitungen sind gezwungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Magazine verlieren Leser. Papier jedoch, in seiner Übermittlungsfunktion, ist und bleibt elektronischen Medien klar überlegen. Papier kann alles sein: rau, glänzend, dick oder dünn. Das Gefühl von Papier in meinen Händen weckt in mir ganz andere Emotionen, als dies mein Tablet-Computer vermag. Noch viel entscheidender ist, dass Papier als Gebrauchsgegenstand entbehrlich ist. Ich fühle mich noch immer unwohl, Kindern freien Zugriff auf mein iPad zu gewähren – ganz besonders, wenn ich die Kosten für einen eventuellen Verlust bedenke …

Die meisten meiner Freunde sind der gleichen Meinung. Wir sind mit Papier aufgewachsen und Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere. Solange Schulbücher noch aus Papier sind und Hausaufgaben, Liebesbriefe und Notizen auf Papier geschrieben werden, wird auch für Kinder diese Verbindung bestehen bleiben.

Es ist zwar richtig, dass man heute weniger Printmedien als früher verbraucht. Aber Papier und Druckerzeugnisse behaupten ihren Platz in der neuen medialen Welt. Die Frage, ob Papier auch langfristig der Herausforderung standhalten wird, kann unmöglich jetzt schon beantwortet werden. Für die nahe Zukunft kann jedoch ganz klar gesagt werden: Papier ist nicht wegzudenken!

In diesem Sinne blicken wir positiv ins 2015 und freuen uns auf die neuen Herausforderungen!

 

 

 

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