Rezept für eine erfolgreiche Kinderwebseite?

Trugschluss: 

Kinder sind neugierig und fressen alles in sich hinein, was ihnen in den neuen Medien geboten wird. Es kann also nicht allzu schwer sein, eine erfolgreiche Kinderwebseite zu gestalten. Schön bunt mit vielen Spielen und einfachen Texten – das passt dann schon.

Ich habe keine Ahnung, ob jemand wirklich so naiv an die Aufgabe gehen würde, eine Kinderwebseite aufzubauen. Aber wenn man sich einige Seiten anschaut, die für Kinder gedacht sind, dann drängt sich einem dieser Eindruck leider doch auf.

Zwei Welten: 

Entscheidend scheinet ein wesentlicher Faktor zu sein, die das Universum der Webseiten für Kinder in zwei Hälften unterteilt: Handelt es sich beim Anbieter um ein kommerzielles Unternehmen, oder um jemanden, für den Geld keine Rolle spielt?

Es gibt eine ganze Reihe von sehr gut gemachten Kinderwebseiten (Beispiele: fragfinn.de, zambo.ch), die ganz offensichtlich aus dem Vollen schöpfen können. Finanziert werden diese Angebote über die Rundfunkgebühren und/oder staatliche Stellen, die sich um das Thema bemühen – und das ist auch gut so, verzerrt aber natürlich das Bild.

Die andere Welt ist bevölkert von kommerziellen Seiten. Hier muss mit dem Web-Angebot Geld verdient werden – und das sieht man (leider) meist auch sofort. Seiten wie toggo.de oder nickelodeon.de erfüllen das Schema „klickibunti“ und quellen vor Werbung nur so über. Da ist auch sehr verständlich – denn keine Gebühreneinzugszentrale sorgt für die nötigen Finanzen und so muss die Werbung für das nötige Kleingeld sorgen.

Irrtum Inhalt: 

Natürlich ist es ein Trugschluss, zu glauben dass sich Kinder mit einfachen Inhalten abspeisen lassen. Sie wollen aktuelle Infos, witzige Highlights und lehrreiche Unterhaltung. Und das möglichst oft. Und reichlich. Am liebsten mit der Möglichkeit, ganz persönliche Vorteile zu erringen – Gewinnspiele sind der Hit.

Irrtum Technik: 

Längst sind die Zeiten vorbei, da man noch mit fixen Bildschirmauflösungen hantieren konnte und sich bei der Funktionalität auf einen Browser verlassen durfte. Heute ist das Feld der Endgeräte so breit wie nie und die Angebotspalette muss dem Rechnung tragen – sonst gilt man schnell als langweilig.

Irrtum Verantwortung: 

Der Wunsch, sich übers Internet auch sozial zu vernetzen, beflügelt nicht nur eine Milliarde Menschen über 13 Jahren (Facebook), sondern begeistert auch schon die Zielgruppe unter 13 Jahren. Bietet man dem Publikum diese Möglichkeit auf der eigenen Seite an, tut sich ein enormes Verantwortungsloch auf: Die Kinder dürfen hier nicht alleine gelassen werden – der Anbieter muss große Anstrengungen unternehmen, um die Sicherheit seines sozialen Netzwerks für Kinder zu gewährleisten. Auch das kostet natürlich Geld.

Rezept: 

Wohin der Weg gehen wird, weiß noch niemand so recht. Das Rezept für eine erfolgreiche Kinderwebseite muss aber in jedem Fall die Zutaten Inhalt, Technik, Aktualität und Verantwortung enthalten. Die Gretchenfrage, wie man dabei auch kommerziell erfolgreich sein kann, ohne die Kinder mit Werbung zu erschlagen, ist besonders schwer zu beantworten. Wer heute zum Beispiel die Kinderzeitschrift JUNIOR kauft, um sie Kindern zu schenken, tut dies, um Kindern eine Freude zu machen. Diese Art des „Sponsoring“ müsste man auf Webangebote für Kinder übertragen können …

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