Quo vadis Schulbuch?

Bits und Bytes statt geduldigem Papier?

Computerraum, Laptops, Smartphones, Tablets – die elektronischen Medien erobern das Klassenzimmer. Stimmt das? Wollen wir das?

Die Frage, wohin sich die Lernmittel in naher Zukunft entwickeln werden, ruft natürlich Emotionen hervor: „Mit den elektronischen Medien spielen die Kinder doch nur – da verdummen sie doch, anstatt etwas zu lernen!“, oder „Das ist doch was für Technik-Freaks, gute Lehrer brauchen den Quatsch nicht“.

Was aber sind die wirklichen Argumente auf beiden Seiten? Fangen wir beim Contra an:

Bücher sind unmittelbar nutzbar. Kein Strom kann fehlen, kein Betriebssystem abstürzen, kein umgeschüttetes Getränk irreparablen Schaden anrichten (beliebtes, relativ schwachwes Argument gegen E-Reader: Kann man mit in die Badewanne nehmen …). Auch wenn Schulkinder ihre Bücher normalerweise nicht mit in die Badewanne nehmen – sicher das wichtigste Argument für das gute, alte Schulbuch. Ebenso die Lesbarkeit auch in praller Sonne – auch wenn Schüler leider seltn in den Genuss kommen, unter freiem Himmel unterrichtet zu werden.

Bücher sind haptisch erfahrbar. Blättern, riechen, markieren – das zeichnet ein klassisches Buch natürlich aus. Das Argument verblasst aber bei modernen Tablets – hier kann ebenfalls mit den Fingern geblättert werden, es kann direkt gemalt und notiert werden und multimediales Feedback schlägt das Buch sogar, was die Haptik angeht.

Bücher sind schöner. Abgesehen von der Tatsache, dass Schönheit etwas Relatives ist, punkten moderne Displays sicher mit ihrer Strahlkraft der Farben und der Möglichkeit, diese Bilder auch zum Laufen zu bringen.

Für Bücher braucht man kein Know-How. Das stechendste Argument aus Sicht der Lehrer. Vor allem, was Laptops oder stationäre Computer anbetrifft. Wer allerdings schon an den Technikhürden eines Tablet-Computers scheitert, sollte ernsthaft prüfen, wo er die letzten 10 Jahre verbracht hat …

Und damit kommen wir zu den (weit unterhaltsameren) Argumenten der Pro-Seite und bleiben dabei beim Tablet, als jüngstem Vertreter der elektronisch nutzbaren Medien in der Schule:

Elektronische Medien kommen der Lernfreude der Kinder entgegen. Ein Argument, das stichhaltig ist und den Finger in die am meisten schwelende Wunde des Bildungssystems legt: Die klassische Schule verhindert Lernen eher, als dass sie es fördert. Hier punktet das Tablet: Es regt zum neugierigen Erforschen an, bietet direktes Feedback per Interaktion mit Sound und Video und vermittelt so den Spaß, den Lernen eigentlich doch ausmacht.

Elektronische Medien sind interaktiv und geduldig. Nicht nur Feedback ist möglich, sondern direkte Lernkontrolle. Und damit auch die Wiederholfrequenz, die nötig ist, um die Inhalte wirklich zu verstehen. Keiner mault, wenn eine Übung drei mal gemacht werden muss und es entsteht keine blamable Situation vor der Klasse, wenn ein Ergebnis falsch ist.

Elektronische Medien bleiben aktuell. Wie war das noch gleich nach der Einführung des Euro vor 14 Jahren? Wie lange haben Mathebücher in Deutschland noch mit DM Rechenaufgaben gestellt? Ganz zu schweigen von komplexeren Problemen in Sachbüchern, die mitunter schon überholt sind, wenn das Druckwerk endlich in den Regalen steht. Gerade Fachliteratur aus dem IT-Bereich hat eine Halbwertszeit, die gedruckte Bücher als Wissensquelle fast schon unmöglich macht …

 

So. Bitteschön. Das sollte als Diskussionsanreiz doch ausreichen. Bin gespannt, welche Reaktionen die werte Leserschaft zu diesem Thema per Kommentar zum Besten gibt. Ran an die Tasten!

 

 

2 Gedanken zu “Quo vadis Schulbuch?

  1. Ich stimme Ihnen darin zu, dass sowohl gedruckte als auch elektronische Bücher je ihre Vor- und Nachteile haben. So war und ist das immer mit jeder Art von Medium, denn letztlich ist entscheidend, wie und in welchem Zusammenhang es eingesetzt wird.

    Zur Haptik des Buches sei noch Umberto Eco zu zitieren: „In E-Books kann man keine Eselsohren machen.“ So ist es; und es ist auch so, dass man die Haptik des Blätterns von Papier keineswegs mit der des „Blätterns“ auf dem Tablet oder E-Reader, also dem Wischen über den Bildschirm, vergleichen kann.

    Das Bücher schön sind, stimmt ja leider nur noch für eine verschwindend kleine Zahl der Druckerzeugnisse, überzählig sind die billig produzierten Taschenbücher. Aber dort, wo bibliophile Buchbinder und Buchbinderinnen ihr Handwerk ausüben dürfen, entstehen Bücher, deren Äusseres nicht nur eine ästhetische Freude, sondern auch mit dem Inhalt eng verbunden ist.

    Wie die Verlage, und insbesondere die Schulbuchverlage, sich dem Thema E-Book nähern, habe ich in einem meiner Blog-Artikel beschrieben: http://www.edaktik.de/2013/10/verlage-auf-der-digitalen-buch-welle/

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